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Frauen in Dortmund besonders stark von Folgen der Pandemie betroffen

Frauentag am 8. März | IG BAU kritisiert „Karrierefalle Minijob“

geb-rei
04.03.2021 09:45:00
Presse

Sie kümmern sich stärker um Haushalt und Kinder, haben niedrigere Einkommen und
müssen häufiger um ihren Job fürchten: Anlässlich des Internationalen Frauentags am
8. März hat die Gewerkschaft IG BAU vor einem Rückschritt bei der Gleichberechtigung in
Folge der Corona-Pandemie in Dortmund gewarnt. „Insbesondere Minijobs werden in der
Krise zunehmend zur Karrierefalle“, kritisiert Bezirksvorsitzende Gabriele Henter. Nach
Angaben der Arbeitsagentur sind aktuell 59 Prozent der insgesamt rund 52.800 geringfügig
entlohnten Arbeitsverhältnisse in Dortmund in Frauenhand. In der Gebäudereinigung liegt
der Frauenanteil bei den 450-Euro-Stellen sogar bei 75 Prozent.

„Geringfügig Beschäftigte gehen nicht nur beim Kurzarbeitergeld leer aus. Sie sind auch
häufiger von Entlassungen betroffen“, so Henter. Die IG BAU plädiert dafür, die Minijobs in
der jetzigen Form abzuschaffen und sozialversicherungspflichtig zu machen. Eine
Anhebung der Verdienstgrenze auf 600 Euro, wie sie einige Arbeitgeberverbände fordern,
liefe hingegen auf einen Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse hinaus.

Zudem stehe das Ehegatten-Splitting einer echten Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt im
Weg. „Durch hohe Abzüge in der Steuerklasse 5 bleibt vielen Frauen nur wenig vom
Bruttoverdienst. Das führt auch zu geringen Arbeitslosenansprüchen und Einbußen beim
Elterngeld“, kritisiert Henter. Die Politik müsse das Thema in diesem Wahljahr anpacken
und eine Reform der Einkommenssteuer voranbringen.

Die IG BAU Bochum-Dortmund verweist zugleich auf die gestiegene Belastung von Frauen
in der Pandemie. „In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen bleibt die Kinderbetreuung
nach wie vor meist an den Frauen hängen. Hinzu kommen die Arbeit im Haushalt und die
Pflege von Angehörigen“, unterstreicht Henter. Neben besseren politischen
Rahmenbedingungen sei hier auch ein gesellschaftliches Umdenken nötig. „Männer, die
beruflich etwas zurücktreten, können der Partnerin helfen, den nächsten Karriereschritt zu
gehen und Lasten in der Familie fairer zu verteilen.“

Nach einer repräsentativen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung ist die
durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit von Frauen im Zuge der Corona-Krise stärker
gesunken als die von Männern. Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten Frauen demnach im
Durchschnitt fünf Stunden pro Woche weniger als Männer in einem bezahlten Job. Im
Herbst 2020 betrug die Differenz bei Erwerbstätigen mit betreuungsbedürftigen Kindern elf
Stunden pro Woche. Zwei Drittel der befragten berufstätigen Frauen mit Kindern gab an, in
der Partnerschaft den größeren Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen. Sieben Prozent
sahen die Hauptverantwortung bei ihrem Partner, 27 Prozent sprachen von einer
Gleichverteilung der Sorgearbeit.