elisabeth
14.05.2021
Presse

"Die Floristik findet zu wenig Gehör." Die Floristikbranche stärken, anständige Tarifverträge aushandeln und für ihre Kolleginnen und Kollegen da sein – all das will Elisabeth Wolff. Dafür engagiert sie sich in verschiedenen Gremien der IG BAU und in der Tarifkommission Floristik sowie als Betriebsrätin.

"Die Floristik ist ein absoluter Niedriglohnsektor, das müssen wir ändern! Für die Kolleginnen und Kollegen was zu bewegen, für ihre Rechte zu kämpfen, das ist mir wichtig", sagt Elisabeth. In die Gewerkschaft ist sie während ihrer Ausbildung zur Restaurantfachfrau durch den Anstoß eines Kollegen eingetreten: "Der hat mir klar gemacht, dass wir da gemeinsam was bewirken können!"

Nach 17 Jahren im Gastronomiebereich wechselte die damalige Restaurantleiterin aufgrund von Rückenproblemen zu ihrem jetzigen Arbeitsplatz in einem Gartencenter der Pflanzen-Handelskette "Blumen Risse" in Dortmund. Schon bald engagierte sie sich dort als Beschäftigtenvertreterin: 2002 wurde sie in den Betriebsrat gewählt und seit 2014 ist sie stellvertretende Vorsitzende des Fünfer-Gremiums, das für rund 65 Beschäftigte zuständig ist. "Außerdem bin ich stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende und Mitglied im Wirtschaftsausschuss und in allen drei Gremien auch noch Schriftführerin", so Elisabeth.

Im Betriebsrat gibt es feste Zuständigkeiten: Elisabeth und die Vorsitzende kümmern sich um "das Gesamtpaket", zwei Kolleginnen um den Arbeitssicherheitsausschuss, eine um die Auszubildenden – ein Team, das Hand in Hand zusammen arbeitet. Betriebsvereinbarungen zur Samstagsarbeit, zur Sonntagsöffnung und zur Feiertagsarbeit sowie zum Datenschutz sind gemeinsame Erfolge der vergangenen Jahre, zudem eine Betriebsvereinbarung zur coronabedingten Kurzarbeit im Januar.

Lohnerhöhung und Corona-Prämie

Das Gartencenter war während der gesamten Pandemiezeit geöffnet. Die im April 2020 angekündigte Kurzarbeit wurde wegen des guten Wetters aufgehoben: "Uns haben sie hier die Hütte eingerissen", erinnert sich Elisabeth. Im zweiten Lockdown musste ein Teil der Waren abgesperrt werden. "Für die anderen Standorte galten andere Vorgaben, das war echt ein Chaos mit den ganzen Regelungen von Bund und Ländern." Mit Blick auf die Pandemie will die Betriebsrätin als nächstes anregen, dass die Betriebsärztin die Corona-Impfungen im Betrieb vornehmen kann. 

Seit vielen Jahren ist Elisabeth auch in der IG BAU aktiv, etwa in der Bundesfachgruppe Floristik oder im Arbeitskreis. Im Moment engagiert sie sich insbesondere in der Tarifkommission Floristik. Der Tarifvertrag wurde zum Ende vergangenen Jahres gekündigt, und die Arbeitgeberseite zeigt sich nicht verhandlungsbereit: "Die verstecken sich hinter Corona und wollen frühestens im Sommer verhandeln", ist sie empört. Neben der Lohnerhöhung wollen die Gewerkschafter*innen eine Corona-Prämie einfordern. "Schließlich haben wir das ganze Jahr trotz Corona malocht wie die Tiere", meint Elisabeth.

Sie wünscht sich mehr Lobby für die Floristik, eine stärkere Medienpräsenz und damit mehr Sichtbarkeit ihrer Anliegen in der Öffentlichkeit. Insgesamt ist der Organisationsgrad in der Branche gering. Bei ihr im Gartencenter hingegen liegt er bei 97 Prozent. Das schaffen die Betriebsrätinnen durch eine konsequente Ansprache bereits während der Ausbildung. "Wir machen den jungen Kolleginnen und Kollegen klar, dass wir nur in der Gemeinschaft was bewirken. Das stärkt uns als Betriebsräte, das stärkt die Gewerkschaft und vor allem stärkt es die Beschäftigten."

Text: Cordula Binder