BODO-Aktuell


Neuer Pendler - Rekord nach Dortmund

Wenn Lebenszeit im Stau flöten geht: Die Zahl der Berufspendler in Dortmund hat einen neuen Höchststand erreicht.


Dortmund, 07.11.2019
Im vergangenen Jahr kamen rund 108.000 Menschen zum Arbeiten regelmäßig von außerhalb in die Stadt – das sind 44 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte Dortmund noch rund 75.000 sogenannte EinpendlerInnen, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt.
Hauptursache für den Pendel-Boom ist der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten
Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Gewerkschafterin Gabriele Henter spricht von einem „alarmierenden Trend“. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten.

„Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise aber gerade dort nicht mehr leisten, wo in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind“, sagt die Bezirksvorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund. Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge.

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele PendlerInnen in Dortmund mittlerweile gang und gäbe, betont Henter. „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2- Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Massive Investitionen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur sind unverzichtbar

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine „drastische Wende“ in der Wohnungsbaupolitik.

„Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Esfehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment“, so Henter.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die PendlerInnen zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Henter deutlich.

Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten – indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Die Pendler-Problematik in Dortmund ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im letzten Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

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