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Razzia in Schwerte und Dortmund


Schwerte/ Dortmund, 16.01.2013
Polizei und Steuerfahndung führen seit heute Morgen eine Razzia gegen die italienische Baumafia durch - unter anderem in Schwerte, Hamm und Dortmund.
Mit Unterstützung von Spezialeinheiten durchsuchen sie Privatwohnungen und Geschäftsräume. Knapp 20 Tatverdächtigen wird vorgeworfen, so genannte Strohmannfirmen gegründet zu haben. Über diese sollen sie Schwarzarbeit und Steuervergehen abgewickelt haben - Schaden für den deutschen Staat: Mehr als 30 Millionen Euro. Fast alle Verdächtige konnten am Morgen festgenommen werden.

Das illegale Geschäftsmodell:

Die Gruppierung gründete Unternehmen oder kaufte bereits
existierende Firmen auf. Als Geschäftsführer dieser Firmen wurden
Strohmänner eingesetzt, die heute Morgen in Italien festgenommen
wurden. Gelder zum Kauf dieser Firmen wurden durch Hinterleute zur
Verfügung gestellt. Diese besorgten die für die
Strohmanngesellschaften erforderlichen Urkunden und Nachweise zur
Teilnahme am Wirtschaftsverkehr. Nach Gründung der Strohmannfirmen
verkaufte die Gruppierung verschiedenen "Nutzerkreisen" vor allem
Rechnungen dieser Firmen, ließ die Rechnungsbeträge über die
Konten der Strohmannfirmen laufen und zahlte die Summe abzüglich einer
Gebühr an die Nutzer in bar aus.

So wurde zum Beispiel illegalen Bauarbeiterkolonnen ermöglicht,
mit ihren Auftraggebern über die Strohmannfirmen Aufträge zu
vereinbaren und abzurechnen, gleichzeitig aber sämtliche anfallenden
Steuern und Sozialabgaben, die nach Papierlage von der Strohmannfirma
abzuführen gewesen wären, nicht entrichten zu müssen. Mit dem
erhaltenen Bargeld wurden die schwarz beschäftigten Bauarbeiter
ausgezahlt, die auch noch - zum Schein und ohne Beitragszahlung - bei
den Sozialversicherungsträgern auf die Strohmannfirmen angemeldet
wurden, um bei Baustellenkontrollen nicht aufzufallen und
Sozialleistungen (Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung) zu
erhalten.

Auch am Markt etablierte Baufirmen wurden als Kunden der Baumafia
enttarnt. Sie kauften Scheinrechnungen, um damit in den eigenen
Bilanzen tatsächlich nicht entstandene Kosten vorzutäuschen und so
Steuern und Sozialabgaben zu sparen. Das erhaltene Bargeld nutzen die
Firmeninhaber für eigene Zwecke, bezahlten eigenen Arbeitern einen
zusätzlichen Schwarzlohn oder heuerten illegale Arbeiterkolonnen an.

Im Laufe der verdeckten Ermittlungen konnte eine zweite Gruppe
italienischer Tatverdächtiger festgestellt werden, die zum Teil
gemeinsam mit der Kölner Gruppierung den Betrieb von Strohmannfirmen
organisierte und von der Kölner Organisation profitierte. Diese in
Dortmund / Witten ansässige Gruppierung wurde von einem 55jährigen
Sizilianer geleitet.

Der Kopf der Kölner Gruppe nutzte sein Lokal darüber hinaus als
Drogenumschlagsplatz. Er steht im dringenden Tatverdacht, in mehreren
Fällen gewerbsmäßigen Handel mit Kokain in nicht geringer Menge

betrieben zu haben. Ferner ist er verdächtig, scharfe Schusswaffen
geführt und auch eingesetzt zu haben. Zum Tatvorwurf kommen noch der
Handel mit falschen Führerscheinen und Warenkreditbetrügereien mit
den Strohmannfirmen hinzu.

4stats

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